Spec Ops: The Line – Review / Test

Spätestens nach unserem Interview mit Mathias Wiese, einem der fünf Gründer von YAGER und Art Director von Spec Ops: The Line waren wir mehr als gespannt ob die deutsche Spieleschmiede ihre doch recht großen Versprechungen und Ankündigungen zum neuen Shooter halten kann. Schließlich war immer wieder von einer spannenden Geschichte in einem unverbrauchten Szenario die Rede. Doch wie gut ist das Spiel wirklich? Schauen wir mal..

Worum geht es in  Spec Ops: The Line?
Dubai, die glänzende Großstadt mitten in der unendlichen Wüste der Orients, ist untergegangen.  Die einst schillernde Metropole wurde von einem großen Sandsturm fast völlig zerstört und tausende von Menschen haben unter den Sandmassen ihr Leben verloren. Die USA hat eine Elite-Bataillon zur Evakuierung der Überlebenden geschickt, doch plötzlich reist der Kontakt zu dem Trupp ab und der Kommandant vor Ort meldet einen Fehlschlag. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Captain Walker, Mitglied der U.S. Delta-Force, und muss aufklären, was passiert ist. Zusammen mit zwei Kameraden verfolgt man ein mysteriöses Funksignal durch die Ruinen der Stadt. Schnell zeigt sich, dass Dubai zum Kampfgebiet geworden ist die totale Anarchie herrscht. Stellt sich nur eine Frage: Warum…?

Mein Eindruck:
In Spec Ops: The Line geht es richtig zur Sache. Das fängt schon mit dem interaktiven Intro, in dem ich mich gegen eine Menge Kampfhubschrauber zu wehr setzten musste und über die zerstörten Ruinen der Stadt flog. Zu Anfang kommt man sich vor wie in einem relativ normalen Third-Person-Shooter. Man kämpft sich von Deckung zu Deckung und der Gegner stürmt in recht großen Massen auf einen zu. Einzig das Wüstensetting zwischen den Hochhäusern, die förmlich nach Reichtum stinken und wirklich beeindruckend aussehen, scheint anders und unverbraucht zu sein. Die Grafik ist dabei spitzenklasse und ich habe mich dabei erwischt, oft einfach nur da zu stehen und die wunderbare Architektur, die ausgefallenen Inneneinrichtungen und die beeindruckenden Sandstürme zu bestaunen. Genau so ist es beim Sound. Es kracht und rumst an allen Ecken und Kanten und die Synchronisation der Kameraden ist Erstklassig. Selbst viele Filme sind nicht so gut vertont. Das trifft ebenso auf die musikalische Untermalung zu, die stehts stimmungsvoll und stellenweise richtig rockig ist.
Kommen wir aber zum eigentlichen, der Geschichte zurück. Sie wurde immer als Kernstück von  Spec Ops: The Line beschrieben, was mich als eingefleischten Singelplayer natürlich sehr gefreut hat. Endlich mal ein Spiel, das nicht nur auf Multiplayergeballer setzt. Und schnell wurde mir klar, dass es die Entwickler damit ernst gemeint haben. Während ich zu Anfang von einem relativ normalen Shooter ausging, zeigt sich nach kurzer Zeit, dass dieses Spiel weit mehr ist. Schon nach den ersten zwei oder drei Kapiteln ist man dermaßen tief in die Geschichte eingetaucht, dass man einfach weiter spielen muss. Anders als sonst spielt man keinen Superhero, der sich gelassen durch die feindlichen Linien schießt. Nein, man ist Teil eines Trupps, das am Rande seiner körperlichen und geistigen Kräfte agiert. Wie schon gesagt, geht es richtig zur Sache und man muss ständig, als Captain der Einheit, moralische Entscheidungen treffen, in denen es meist nur zwei Optionen gibt: Schlecht oder richtig schlecht. Spec Ops zeigt den Krieg dabei in voller Härte. Das wird einem neben den brutalen Verletzungen, die nicht nur die Feinde von sich tragen, spätestens dann bewusst, wenn man z.B. einen Angriff mit Brandsätzen auf die Feinde befiehlt und bei der anschließenden Begutachtung eine verbrannte Mutter mit ihrem toten Kind in den Händen findet. Hier wird alles schonungslos gezeigt und das nimmt nicht nur den Spieler mit. Auch die Kameraden und kommen mit diesen Situationen kaum klar und müssen mit sich selbst kämpfen um weiter machen zu können. Während man am Anfang noch eine gut ausgerüstete, motivierte Delta-Force Einheit führt, ist sie mit fortlaufendem Spiel immer zerütteter und angeschlagener. Je weiter man sich von der menschlichen Seite abkehrt, je weiter man “die Linie” übertritt, um so schlimmer wird es. Bis man letzten Endes nur noch alleine, mit sich und seinem Gewissen da steht.
Selten, man kann eigentlich schon sagen nie, hat mich ein Spiel so mitgerissen wie  Spec Ops: The Line. Man fühlt sich beim spielen immer schlechter und man hat ständig das Gefühl, das Falsche getan zu haben. Aber wenn man dann ein zweites, oder ein drittes mal durchspielt, weiß man eines: Im Krieg gibt es keine guten Entscheidungen!

Macht das Spiel denn nun Spaß?
Ein klares ja. Ganz am Anfang ist es ein relativ gewöhnlicher Shooter, aber die Geschichte entwickelt sich sehr schnell und reist einen mit. Mehr als in allen anderen Shootern versetzt man sich immer tiefer in die Lage der Soldaten und erlebt die Abgründe der Menschlichkeit im Krieg. Ganz sicher nichts für zart Besaitete, aber der Rest wird viel Freunde mit dem Spiel haben. Insofern man es Freude nennen kann ;)

Gibt’s denn auch einen Multiplayer?
Ja, man kann in kleinen 4 gegen 4 Matchen gegeneinander antreten. Dabei stehen verschiedene Klassen zur Verfügung und mit der Zeit steigt man in Rängen auf. Einen Einfluss auf  den Storymodus hat man dadurch aber nicht.

Fazit:
In Spec Ops: The Line übertritt der Spieler die Linie zwischen Moral und Menschlichkeit. Selten wird Krieg so dargestellt wie er ist: Nicht nur brutal, sondern auch eine Belastung für die menschliche Seele und genau das empfindet man auch als Spieler. Die Technik vom Spiel ist schon top, aber die Story und der Tiefgang sind weltklasse!

Hier zu kaufen:

Spec Ops: The Line (uncut)

Preis: EUR 9,45 inkl. MwSt, zzgl. Versand

4.3 von 5 Sternen (50 Kunden Meinungen)

44 Neu & gebraucht verfügbar EUR 7,80

3 comments

  1. Ich habe es inzwischen auch durch und war doch schon sehr überrascht, dass so etwas gutes aus Deutschland kommen kann. Ist nur schade, dass es so kurz ist. Ein Wochenende und ich war durch.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>