35 Jahre Haft für Bradley Manning – ein Kommentar

Das Urteil ist gesprochen, der Richter des Militärgerichts hat 35 Jahre Haft für Bradley Manning verhängt. Der ehemalige US-Soldat wird also erst mit über 60 Jahren aus dem Gefängnis kommen, sofern er nicht vorzeitig entlassen wird. Die USA setzt damit ein klares Zeichen gegen Geheimnisverräter, oder versucht es zumindest.

„Ich bereue, dass meine Handlungen Menschen geschadet haben. Ich bereue, dass sie den Vereinigten Staaten geschadet haben“, sagte der durch Knast und Folter gebrochene Angeklagte zuvor und bedauerte die „unbeabsichtigten Konsequenzen“. Doch warum? Selbstverständlich ist es eine Straftat geheime Informationen weiter zu geben. Aber wenn man Zeuge von Morden und anderen schlimmen Dingen wird, gilt diese Regel dann immer noch? Jetzt haben die USA dies eindeutig mit einem „Ja“ beantwortet und damit ein deutliches Signal an andere Whistleblower wie z.B. Edward Snowden gesendet. Eventuelle Gnadengesuche sind bereits beantragt und weitere Instanzen stehen noch zur Verfügung und somit gibt es für Manning noch einen Funken Hoffnung für eine mildere Strafe.

Aber was sagt uns das Ganze? Man stelle sich vor da ist ein Soldat, vom Krieg inzwischen völlig desillusioniert, stolpert während seiner Arbeit über Grausamkeiten wie z.B. den Mord an vielen Zivilisten und Journalisten durch einen US-Kampfhubschrauber, hält nicht den Mund und macht diese Verbrechen öffentlich. Müsste man diesen Soldaten dann nicht als Helden feiern und die eigentlichen Mörder in den Knast werfen? Am Rande, die arbeiten inzwischen ganz normal weiter als Soldaten. Sollte so ein mutiger Mann nicht positiv in die Geschichte eingehen? Eigentlich schon…
Doch in der heuten Zeit, in der die Breite Masse alles abnickt was der Staat und vor allem der Friedensnobelpreisträger Obama sagt als gegeben und richtig hinnimmt scheint das völlig anders sein. Der Staat sagt, dies ist ein Krimineller und die Masse glaubt es. Im Prinzip ist es nicht anders als in diesen ganzen dystopischen Filmen die wir uns immer anschauen und denken, „Mein Gott, gut dass es so eine Welt nicht gibt…“. Aber gibt es die wirklich nicht? Eigentlich leben wir doch schon mitten in einer solchen Dystopie. Die Staaten diktieren unser Denken und Menschen die etwas dagegen unternehmen, und sei es auch in dieser etwas unbeholfenen Art und Weise wie Bradley Manning werden ins Gefängnis geworfen. Von der totalen Überwachung brauche ich erst gar nicht reden.

Nun ist die Chance gegeben dass die USA und vor allem Obama Größe zeigen und den Gnadengesuchen nachkommen. Und ihr glaubt gar nicht, wie gespannt ich bin wie diese ganze Sache enden wird. Einzig und allein für Manning tut es mir Leid, auf dessen Rücken der Kampf gegen Whistleblower, gegen Helden, ausgetragen wird.

One thought on “35 Jahre Haft für Bradley Manning – ein Kommentar”

  1. nodus says:

    Ja, es ist traurig mit an zu sehen wie viele Dystopien sich bewahrheiten. Da müssen wir auch gar nicht in die USA schauen. Deutschland als drittgrößter Waffenhändler der Welt bietet genug eigene Endzeitstimmung.

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