Interview mit dem ÖDLAND-Autor Christoph Zachariae

Oedland---CoverEnde letzten Jahres haben wir „ÖDLAND Erstes Buch Der Keller“ rezensiert und waren von dem Endzeit-Werk positiv überrascht. Inzwischen liest man auch in anderen Portalen oder auch auf Amazon, dass das Buch überaus gut ankommt. Wir haben daher mit Christoph Zachariae, Autor der ÖDLAND-Reihe, gesprochen und wollten mehr über ihn und die Ödland-Reihe erfahren. !!Das Interview enthält leichte Spoiler des ersten Buches.!!

B: Hallo Christoph.
Z: Hallo Thomas.

B: Wie ist es dir ergangen seitdem du dein Buch „ÖDLAND Erstes Buch Der Keller“ veröffentlicht hast?
Z: Als die Veröffentlichung geschafft war, fiel eine große Last von meinen Schultern. Zu sehen, dass Leser es interessant finden, ist ein großes Geschenk und ein großes Glück. Ich habe bereits den Kurzgeschichtenband DUNKLE TRÄUME als E-Book veröffentlicht und hatte daher eine „realistische“ Vorstellung, was mit ÖDLAND passieren könnte. Ich weiß jetzt, warum Verlage Kurzgeschichten generell ablehnen. Sie werden einfach deutlich schlechter angenommen. Mit anderen Worten: ÖDLAND I hat meine „realistischen“ Erwartungen übertroffen und das freut mich natürlich sehr.

B: Unser Rezensent war von dem Buch sehr begeistert und auch auf Amazon findet man durchweg positive Kritiken. Was denkst du darüber? Ist das Buch so geworden, wie du es dir vorgestellt hast?
Z: Das Grundgefühl war immer gut. Man kann das schwer in Worte fassen, aber wenn man Geschichten schreibt, gibt es Momente, in denen sich alles richtig anfühlt. Die Idee, eine junge Frau durchquert im Liegefahrrad eine zerstörte, feindliche Umgebung, ist uralt. Eine meiner ältesten Ideen. Wenn man so lang an etwas herumdoktert, verliert man seine Objektivität. Man kann das Projekt irgendwann nicht mehr einschätzen. Ist es gut? Ist es interessiert? Ist es spannend? Keine Ahnung. Der entscheidende Moment, war der erste Kommentar der kritischen Lektorin Karin Ostertag, die seit Jahren meine Sachen liest und die mir schon einiges um Ohren gehauen hat. Sie sagte, ÖDLAND sei das Beste, was ich bisher geschrieben habe. Erst in diesem Moment wusste ich, dass ich nicht komplett daneben liege. Die positiven Kritiken freuen mich deshalb sehr.

B: Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen ein Buch mit postapokalyptischen Setting zu schreiben?
Z: Ich liebe das Genre Endzeit. Als Kind war ich bei den Pfadfindern. Wir sind mit Kompass und Rucksack querfeldein gelaufen, haben unter Brücken und im Wald übernachtet und den Bauern Eier und Milch für das Frühstück abgeschwatzt. Einmal hatten wir das Gefühl, dass eine „wilde Rockerbande“ uns mit Motorrädern verfolgt. Wir sind panisch in den Wald geflohen. Dummerweise fing es an zu regnen. Am Ende haben wir zu acht (!) in einer Bushaltestelle übernachtet. Die Erfahrung sich in der Natur durchzuschlagen, mit dem, was man bei sich hat, hat mich fasziniert. Megas Rucksack und ihr Kompass kommen möglicherweise daher.
Ich habe zwei Jahre lang für einen historischen Roman recherchiert, der zur Zeit des 30jährigen Krieges spielen sollte. Ich war in Ausstellungen und legte eine Materialsammlung an, u.a. die „Neuübersetzung“ des Simplicissimus. Doch je mehr ich mich mit der Sache beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass all das, worauf die Historiker größten Wert legten, die Adelsgeschlechter, die Könige, Gustav Adolf, Wallenstein und wie sie nicht alle hießen, mir ziemlich schnuppe waren. Die endlosen Listen mit Adelstiteln langweilten mich. Was mich faszinierte war die „verbrannte Erde“, (der Begriff hat seinen Ursprung im 30jährigen Krieg,) mit der die Truppen sich am Ende selbst am meisten schadeten, die unbeschreibliche Verrohung der Söldnerheere, die Seuchen und die Hungersnöte, die ganze Landstriche entvölkerten und Menschen in den Kannibalismus trieben, die unterirdischen Verstecke, in denen Bauern zu überleben versuchten. Der 30jährige Krieg war so etwas wie eine europäische Endzeit.
Irgendwann verlagerte ich die Handlung dieser Endzeit-Geschichte dann nur noch in eine nicht allzu ferne Zukunft, (um die Adeltitel loszuwerden) und ÖDLAND war geboren.

B: Wurdest du durch andere Filme oder Bücher inspiriert? Welche gefallen dir ganz besonders gut und welche sind deiner Meinung nach Schund?
Z: MAD MAX 2 würde ich als wichtigen Endzeitfilm bezeichnen. Die rohe Gewalt des Sequels, das atemberaubende Tempo, die Banden, der Moment, wenn die mutige Kämpferin, (in die man heimlich verliebt war), von Pfeilen durchbohrt seitlich vom Trucks rutscht und ihm Stacheldraht hängen bleibt. Dieser kompromisslose Umgang mit liebgewonnenen Nebenfiguren, die sterben, bevor man sich richtig kennenlernt, hat mich schockiert und schwer beeindruckt. All diese Elemente sind bis heute in Endzeitwerken zu finden. In Comics, Büchern, Computerspielen und Filmen. Mad Max gehört zu den Vertretern der „leeren Erde“, die ich immer besonders spannend fand. Die Katastrophe spürt man nur indirekt, im Verhalten der Figuren.
Wenn man ein Genre liebt, wird man mutig und greift zu Filmen und Büchern, um die man normalerweise einen Bogen machen würde. Gerade im Endzeit-Genre kann man eine Menge Müll ausgraben und das auf jedem finanziellen Niveau. Ich erinnere mich noch an meine Fassungslosigkeit nach der Sichtung von POSTMAN (von und mit Kevin Costner). Bieten die mir da als Lösung wirklich eine Prügelei an? Im Sandkasten haben wir uns das immer so vorgestellt. Warum Kriege führen? Sollen doch die Präsidenten das ausboxen und die Sache ist erledigt. Als Vierjähriger kommt einem das irgendwie schlüssig vor. Postman war ein peinliches Debakel und hat zurecht Costners Karriere beendet.

B: Du bist als Autor auch in der Filmbranche tätig. Können wir vielleicht auf eine Verfilmung von „ÖDLAND“ hoffen?
Z: Mit einem realistischen Blick und selbst mit einem sehr optimistischen Blick auf die deutsche Film- und Fernsehlandschaft, habe ich da leider keine Hoffnung. Ich habe unter anderem deshalb angefangen Bücher zu schreiben, weil bestimmte Genres im deutschen Film nicht vorkommen. Wann haben wir zuletzt einen deutschen Science-Fiction-Film gesehen? Seit gefühlten 50 Jahren gab es keinen. Wenn man in Deutschland fantastische Geschichten (Science Fiction, Endzeit, etc.) erzählen möchte, bleibt einem nur der Schritt zum Buch (bzw. zum E-Book). Und selbst gute Ansätze wie z.B. HELL (von Tim Fehlbaum), werden zu wenig goutiert, als das sie etwas an der Situation ändern könnten.
Die Situation gleicht einer fatalen Abwärtsspirale: Weil Produzenten kein Vertrauen haben, sinken die Budgets und damit die Wertigkeit der Filme (Production Value). Weil Production Value und Erzählqualität sinken (als erstes wird am Drehbuch gespart), haben deutsche Filme immer weniger Publikum. Und weil die Filme immer weniger Publikum haben, sinkt das Vertrauen der Produzenten in Genre-Stoffe.
Mit anderen Worten: Wenn es passiert, dann wahrscheinlich nicht in Deutschland.

B: Ich wurde von einigen Lesern nach einer Printausgabe gefragt. Ist da etwas geplant?
Z: Mit dem E-Book hat man heute die Möglichkeit Geschichten selbst zu veröffentlichen. Das ist mehr Aufwand, man muss sich selbst um Lektorat, Cover und Marketing kümmern, aber man hat alle Entscheidungen in der Hand. Verlage haben Designer mit denen sie zusammenarbeiten. Wenn ihre Arbeit nicht den Geschmack der Autors trifft, hat der Autor Pech gehabt. Sein Geschmack ist zweitrangig. Das Cover muss zur Optik des Verlages passen. Ich halte das für eine unzumutbare Bevormundung. Das Cover muss die Seele des Buches spiegeln und hat sich nicht den Marketing-Strategien des Verlages unterzuordnen.
Ich bin deshalb sehr froh über die Zusammenarbeit mit Colin M. Winkler. Seine Arbeiten illustrieren perfekt das Herz und die Seele der ÖDLAND-Reihe. Ich mag die Mischung aus Graphic Novel und Realismus. Dunkel, melancholisch und romantisch.
Mit anderen Worten: Wenn ein Verlag Interesse an der Printausgabe der ÖDLAND-Reihe haben sollte, sehr gern, aber ich renne Verlagen nicht mehr hinterher.

B: Kommen wir zur wichtigsten Frage: Wann erscheint der zweite Teil und was erwartet uns?
Z: ’ÖDLAND Zweites Buch Das Versteck im Moor’ ist für Ende September 2013 geplant. Wir liegen gut in der Zeit. Ich denke, wir können pünktlich veröffentlichen.
Was den Inhalt angeht, darf ich natürlich nicht zu viel verraten, doch ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Mega ihre Reise vorsetzen kann. Allerdings nicht sofort. Es gibt da ein paar Dinge, die sie vorher organisieren muss. Doch sie ist nicht mehr allein. Sie bekommt Hilfe.
Das zweite Buch schließt den Kreis zum Flash Forward im ersten Kapitel des ersten Buches. Wir erinnern uns: Wir sahen Mega in der Zukunft und haben mitbekommen, wie sie Hagen, den Anführer der Söldner, in die Moorfestung lockte. Das zweite Buch klärt die Fragen: Wie kam Mega ins Moor? Und wieso spielte sie den Köder für Hagen?

B: Vielen Dank für das Interview! Wir sind schon sehr gespannt und wünschen dir weiterhin viel Erfolg!

ÖDLAND Erstes Buch Der Keller

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2 thoughts on “Interview mit dem ÖDLAND-Autor Christoph Zachariae”

  1. Leprechaun says:

    Ich bin, das habe ich schon oft hier und auch bei FB geschrieben, schon absolut gespannt auf die Fortsetzung.

  2. Andy says:

    Hört sich interessant an.
    Bin gespannt wie es sein wird.

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