Interview mit Marcel René Klapschus (Der Rote Ozean)

Der Rote Ozean (Marcel René Klapschus)

Vor gut einem Jahr hat Marcel René Klapschus seinen postapokalyptischen Roman „ Der Rote Ozean“ veröffentlicht. In dem wilden Mix aus Fiktion und Realität, gepaart mit einem starken Touch japanischer Fantasy, geht es um ein neue Sintflut, die den Glaubenskrieg in der Welt endgültig eskalieren lässt. Mehr zum Inhalt findet Ihr hier. Wir durften das Buch seiner Zeit als einer der ersten Portale rezensieren und  zumindest mir , als Rezensent, hat das Buch sehr gefallen. Da ich es noch immer für einen richtigen Geheimtipp halte, wollte ich wissen, was Marcel René Klapschus heute macht und was er rückblickend über sein Buch denkt. Freundlicherweise stand er uns in einem Interview zur Verfügung:

Blackfear: Hallo Marcel, danke dass du dir ein wenig Zeit für uns nimmst. Vor einem Jahr ist dein Buch „Der Rote Ozean“ erschienen. Was ist seit dem alles passiert? Hat sich dein Leben durch das Buch verändert?
Marcel: Im vergangenen Jahr ist in der Tat sehr viel passiert. Ich habe meine Ausbildung erfolgreich beendet und bin aus der beschaulichen ostholsteiner Dorfidylle in die Hansestadt Lübeck gezogen. Außerdem habe ich meine alten Lehrbücher wieder herausgekramt und bin fleißig dabei mein Japanisch aufzubessern, denn es geht schon diesen Sommer wieder ins Land der aufgehenden Sonne. *Natürlich auch um neue Inspirationen für meinen neuen Roman zu sammeln.

Ich denke eigentlich nicht, dass sich mein Leben durch die Veröffentlichung des Buches groß verändert hat. Es ist eigentlich genau andersherum: Das was ich erlebe, die Eindrücke die ich tagtäglich sammle beeinflussen den Inhalt meiner Geschichten enorm. So war es auch bei „Der Rote Ozean“. Das Buch spiegelt all die Gleichgültigkeit wieder, die mir tagtäglich begegnet. Ein Welt voller Menschen, die tatsächlich eine Zeitung mit 4 Buchstaben darüber entscheiden lassen was „richtig“ und „was falsch“ ist, was man glauben darf und was nicht. Diese mangelnde Bereitschaft, die Dinge einmal selbst zu hinterfragen zieht sich quer durch unsere Gesellschaft. Ein idealer Nährboden für Konflikte und am Ende vielleicht sogar zu fürchterlichen Kriegen wie in „Der Rote Ozean“ in dem die Grenzen von Gut und Böse nur noch durch Hass und Propaganda der Mächtigen diktiert werden.
Auch in der Welt ist in diesem einen Jahr sehr viel passiert: Man blicke diese Tage nur einmal nach Syrien. Ich möchte nicht wissen was in den Köpfen der syrischen Soldaten vorgehen muss. Nicht einmal „Der Rote Ozean“ kann beschreiben was dort im Moment an schrecklichen Dingen vorsich geht.

Blackfear: Wie zufrieden bist du rückblickend mit „Der Rote Ozean“?
Marcel: Als Autor ist man sein schärfster Kritiker und natürlich haben da auch noch Verlag und Lektorat ein Wörtchen mitzureden wobei mir hier recht viel Freiheit gelassen wurde. Manchmal muss man aber auch als Autor klein beigeben. Der Versuch, viel anime-typische Elemente einfließen zu lassen, wie etwa der thelepathische-Dialog zwischen Brian und Khayra im späteren Verlauf des Buches, stießen nicht nur auf Gegenliebe. Ich hätte gerne öfter von diesen Stilelementen Gebrauch gemacht, mit der Gefahr hin den Leser vielleicht damit zu überfordern. Man will als Autor immer 120% abliefern. Doch manchmal ist es vielleicht ganz gut wenn der Verlag sagt: Lass es wie es ist, sonst doktern wir noch 10 Jahre an dem Text rum und er wird nie fertig. Insgesamt bin ich mit dem Roman sehr zufrieden.

Blackfear: Neben viel Lob aus der Presse gab es auch ein paar weniger positive Kritiken. Wie geht man als Autor damit um?
Marcel: „Der Rote Ozean“ war von Beginn an ein Love-it or Hate-it Buch und stieß entsprechend auf ein sehr unterschiedliches Echo, nicht nur bei blackfear.de. Interessant fand ich in einigen Kritiken den Vorwurf, der Roman würde zuviele Dinge unbeantwortet lassen, der Autor verschweige Antworten, Brian agiere viel zu passiv, wirke wenig heldenhaft. Dabei war eben genau das mit dem Werk beabsichtigt: Ich bin kein Lehrer, kein Antwortgeber, kein Dr. Allwissend und Brian ist auch nicht Jesus Christ Superstar der mit einem Fingerschnipp den Weltfrieden herbeizaubern kann. Es gibt kein Gut und Böse. Wir rennen hier nicht in Mantel und Degen Romantik durch Mittelerde und am Ende haben sich alle lieb. Kurzum: Ich will meine Leser nicht für dumm verkaufen indem ich ihnen alles vorkaue, sie müssen ihre Schlüsse selber aus dem Geschriebenen ziehen und das ist zugegebenermaßen manchmal ganz schön schwer, aber meines erachtens ein viel intensiveres Leseerlebnis als ein Buch das ich am Ende einfach nur zuklappe und das nächste nehme.

Natürlich freut man sich als Autor über Positive Kritik mehr als über Negative, aber nichtsdestotrotz hat jeder nunmal seinen eigenen Geschmack und ich kann damit Leben wenn jemand von dem was ich schreibe, nicht begeistert ist. Wie gesagt: Love-it or Hate-it :-)

Blackfear: In deinem Buch eskaliert der Konflikt zwischen den Religionen. Gab es eigentlich religiöse / kirchliche Reaktionen darauf?
Marcel: Bisher gab es seitens der Kirche wenig Reaktionen auf das Buch. Ich sehe in „Der Rote Ozean“ auch kein Buch in dem die Religion im Vordergrund steht. Es spielt eigentlich keine Rolle woran beide Seiten glauben, in welcher Zeit oder an welchem Ort die Handlung spielt.

Vielleicht passt an dieser Stelle am besten das Eingangszitat von Yoshiki Tanakas Anime/Roman-Epos „Legend of the Galactic Heroes“: „Zu jeder Zeit, an jedem Ort, ist das Tun der Menschen das gleiche“. Übrigens eine Geschichte, die mehr über die Menschheit und ihre Abgründe erzählt als jeder Geschichtsband aus dem Buchladen.
Der religiöse Konflikt in „Der Rote Ozean“ dient nur als Beispiel. Denn in dem Roman geht es im Prinzip einzig allein um uns: Den Menschen. Und der ist unterm Strich genauso gierig nach Macht und Reichtum wie schon vor 2000 Jahren.

Blackfear: Was können wir zukünftig von dir erwarten? Wird es weitere postapokalyptische Romane geben?
Marcel: Das Thema Endzeit/Apokalypse ist und bleibt eins meiner Lieblingsthemen aber ich beschränke mich nicht einzig auf dieses Thema. In erster Linie bin ich Phantastik-Autor und so bewegen sich meine Romane meißt immer zwischen Fantasy und Realität mit einem starken Bezug zu Gesellschaftlichen Themen. Mein nächster Roman trägt den Arbeitstitel FAB und spielt in Japan der nahen Zukunft. Er wird einige Sci-Fi Elemente aufweisen und ähnlich düster wie „Der Rote Ozean“ werden. Diesmal jedoch mit einem stärkeren Focus auf die Charaktere. Hinzu kommen einige Cyberpunk Elementen, wie wir sie vielleicht aus Animes wie Armitage III oder Neon Genesis Evangelion her kennen. Mehr wird aber noch nicht verraten ;-) Eine Symbiose aus Roman mit Mangaillustrationen ist für FAB ebenfalls angedacht. Im Moment suche ich jedoch noch nach einem fähigen Illustrator.

Blackfear: Gibt es etwas, was du unseren Lesern mit auf den Weg geben möchtest?
Marcel: Das Wichtigste, was ich Euch mitgeben möchte, findet sich auf der ersten Seite meines Romans:

„Wenn der Mensch plötzlich verstummt, dann stirbt auch ein Teil seiner Seele. Und der, der sein ganzes Leben lang schweigt, hat am Ende gar nicht gelebt“

Vielen Dank für dieses Interview Thomas, und viel Spaß beim Lesen Euch allen!

Blackfear: Vielen Dank! Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und sind schon sehr gespannt, was da auf uns zu kommt.

Unsere Kritik zu „Der Rote Ozean“ findet ihr hier: Blackfear – Rezension 
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